Leave-Behind – Mehr, als nur einen guten Eindruck hinterlassen.

 © Michael Tieck - Fotolia

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Auf dem Rückweg von der alles entscheidenden Pitch-Präsentation einer großen Baumarktkette fehlten vier Bob-der-Baumeister-Figuren in unserem Präsentationsgepäck. Warum, lesen Sie hier.

Mit "Leave-Behind" ist eine physische Erinnerung gemeint, die wir einem prospektiven Kunden nach einem Meeting, sei es Chemistry-, Schulterblick-Meeting oder Pitch-Präsentation, zurücklassen, wenn wir uns wieder auf den Nachhauseweg gemacht haben. Gerade in Pitches mit vielen teilnehmenden Agenturen ist es essenziell wichtig, dass sich der Werbetreibende nach einer Maraton-Meeting-Runde noch an uns beziehungsweise an unseren wichtigsten Insight oder unsere Big-Idea erinnert. Und so sehr Sie sich wünschen, dass Ihre genialen Ideen noch lange haften, vertrauen Sie bitte nicht darauf.

Manche Werbetreibende sehen drei bis vier Agenturen an einem Tag, in großen Pitches, mehr als acht Agenturen insgesamt. Da bleibt am Ende des Tages nicht viel mehr, als ein Brei aus teilweise widersprüchlichen Empfehlungen und Ideenfetzen, die die Marketingverantwortlichen nur mit Hilfe ihrer (hoffentlich guten!) Aufzeichnungen noch auseinanderhalten können.

Deswegen mein Tipp: Lassen Sie (außer einem guten Eindruck) etwas zurück, dass
(1.) "merk-würdig" ist,
(2.) Ihre Kernidee / Ihre Empfehlung repräsentiert und
(3.) so attraktiv ist, dass es nicht gleich im Papierkorb des Konferenzraums verschwindet, sobald Sie durch die Tür sind.

Und ich meine damit nicht, die Charts der Präsentation (als Booklet oder auf einem USB-Stick). Die sind für mich selbstverständlich. Ich meine kleine trojanische Pferde, die in den folgenden entscheidenden Tagen bestenfalls auf den Schreibtischen der Entscheider stehen und Ihre große Idee unterschwellig oder vordergründig weiter leben lassen. Bob-der-Baumeister-Figuren zum Beispiel. Denn Bob war unsere Empfehlung für die neue Markenpersönlichkeit einer großen Baumarktkette. Und was lag da näher, als ein paar kleine Bobs zurückzulassen, um die Entscheider des prospektiven Neukunden dauerhaft an unsere wichtige Empfehlung zu erinnern. Was die Bobs in diesem Fall waren Büro-Kaffeetassen mit unserem neuen Slogan in einem anderen. Aber, hey, Sie sind im Kreativ-Business. Da fällt Ihnen doch bestimmt was ein.

Eine ganz besondere Spezies des Leave-Behinds sind "Totems", kleine Dinge, mit deren Hilfe man die nachfolgenden Agenturen herrlich ärgern, moralisch unterlaufen oder einfach auf falsche Fährten bringen kann. So haben wir einmal den Kollegen von Saatchi & Saatchi ein paar eigens für diesen Zweck produzierte Charts unauffällig-auffällig im Raum gelassen, die sehr plakativ großartig abstruse Consumer-Insights zeigten, um die geschätzten Kollegen ein wenig unter Druck zu setzen. Ich ärgerte mich immer besonders über kleine grinsende goldene Hirsche einer gleichnamigen Agenturgruppe, die mich voller Schadenfreude von den Tischen der Entscheider ansahen und ihr Revier verteidigten.